Eingelebt, unsere erste Woche in Jinja

Eingelebt

 

Nun sind wir eine gute Woche hier und fühlen uns sauwohl! Hier direkt am Äquator dauern die Tage von 7 bis 7 (und die Nächte auch ;-)), wir haben gerade Regenzeit, hatten zum Glück aber bisher nur zwei richtig fette Regengüsse. Etwas weiter nördlich von hier gab es einige Schlammlawinen, und viele Häuser, oder besser: Hütten, wurden weggespült. Es gab sogar Tote, schrecklich.

Nach anfangs überteuerten Einkäufen bei geldgierig grinsenden Supermarktbetreibern mit Migrationshintergrund haben wir das jetzt auch im Griff. Kleineinkäufe erledigen wir bei Einheimischen in der kleinen Siedlung voller Wellblechhütten direkt unterhalb unseres Hauses, größere Einkäufe möglichst komplett im Jinja Central Market.

Wo in anderen afrikanischen Städten die Marktstände sich draußen in Staub und Schlamm abplagen müssen, hat man in Jinja diese tolle Markthalle gebaut. Die Markthalle ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art, inzwischen haben wir die besten Fisch-, Gemüse- und Fleischstände entdeckt und finden uns in dem Labyrinth einigermaßen zurecht. Fleisch gibt’s allerdings nur kiloweise, am Wochenende haben wir uns von Rinderfilet ernährt, für 4€ das Kilo! Hier gibt es fast alles, mehrere Eingänge und Stockwerke, sehr verwirrend. Oben ist die Textilienabteilung, wo die Kleiderspenden aus Deutschland einzeln vertickt werden…

Einen bottle-store mit Großhandelspreisen haben wir an der Iganga Road entdeckt, nur der Transport einer Bierkiste gestaltete sich etwas schwierig ohne Auto.Ich wollte keinem Bodafahrer die leere Kiste (Wert: 20.000UGX) plus 60.000UGX für eine neue Kiste mitgeben. Der wäre wahrscheinlich nie wieder aufgetaucht. Jetzt habe ich mir einen Bodafahrer vorm bottle-store ausgesucht, ihn der Verkäuferin vorgestellt, die volle Kiste im Voraus bezahlt und dann den Fahrer mit dem Leergut hingeschickt, um mit der vollen Kiste zurückzukommen. Sicherheitshalber noch das Nummernschild fotografiert vorher.

Nachdem ich in meinem Leben gefühlt Tonnen an Schweinefleisch vertilgt habe, wird es meinem Körper guttun, mal ein halbes Jahr darauf zu verzichten. Das gibt es hier nämlich so gut wie gar nicht, nur in einem Laden haben wir Bacon entdeckt und Chemiewürste mit geringem Schweinefleischanteil. Und schweine(sic!)teuer. Also gibt es viel leckeres Gemüse, Obst, Rindfleisch und frischen Fisch! Zum Frühstück Toast, evtl. Käse (gibt’s hier auch kaum) und die ugandische Spezialität Rolex (=rolled eggs), ein Chapati mit spanischem Omelett, zusammengerollt. Sehr mächtig, das sättigt bis abends. Eventuelle Besucher dürfen aber gern eine Salami mitbringen!!

Am Samstag hörten wir Lärm im Dorf und sahen Soldaten, die Fischerboote mit Äxten zerstörten und hinterher verbrannten. Wir waren sehr ergriffen und bestürzt, wussten auch gar nicht, was da vor sich geht. Unser Askari (Wachmann) Clemens ist von der Tourismus-Polizei und erklärte uns, dass das schon in Ordnung gehe. Wir hatten auch einige Dorfbewohner gesehen, die applaudierten. Der Grund war, dass einige Fischer trotz mehrmaliger Warnungen illegale, dünnmaschige Netze verwendeten, die den Fischbestand gefährden. Und alle Boote mit diesen Netzen wurden dann kurzerhand vernichtet. Geht auch.

Sonntag war ich endlich Golfen mit Gareth, Manager im Brisk Hotel. Wir hatten uns im Februar schon angefreundet und haben uns beide sehr über das Wiedersehen gefreut letzte Woche. Gareth hat früher in der kenianischen Nationalmannschaft gespielt… Ich habe zwei Löcher brutto gewonnen!! Hinterher hat er mich weiteren Clubmitgliedern vorgestellt, alle waren sehr offen und gastfreundlich. Konnte dann eine temporary membership abschließen, für 14€ im Monat! Spiele jetzt für 2,30€ green fee am Wochenende, sonst die Hälfte. Yesss! Der playing pro Ian leiht mir Schläger zum Freundschaftspreis, werde auch mal eine Stunde bei ihm nehmen.

In der Cozy Bar ist regelmäßig Live Musik, am Mittwoch singt „Angel“, die ich letzte Woche schon bei Simon kennengelernt habe. Alle sagen, dass sie eine super Sängerin sei, Jazz, Blues etc. Dann geht Theresa endlich auch mal mit in die Kneipe…

Gestern hat direkt vor mir auf der Main Street ein Auto einen Bodafahrer gecrasht. Zum Glück wurde niemand verletzt, der Fahrgast klopfte sich den Dreck ab und ging völlig entspannt zu Fuß weiter. Der Fahrer hatte einen Schuh verloren, der mitten auf der Straße lag, neben den Trümmern seines Mopeds, das ziemlich mitgenommen war. Ich habe ihm dann geholfen, das Bike von der Straße zu tragen, das Vorderrad und die Gabel waren völlig hin. Der Autofahrer verlangsamte seine Fahrt kurz, um dann ganz entspannt weiterzufahren. Auch für alle anderen Passanten schien das alles völlig normal zu sein.

In unsere Anlage wohnen: eine dänische Familie, zwei Amerikanerinnen, ein englisches Paar, ca. 6 junge Südkoreaner (können auch zwölf sein), noch ein Ami und einen, den wir noch nicht kennen. Alle arbeiten bei diversen NGO´s und wohnen hier langfristig, teilweise schon vier Jahre. Die NGO´s zahlen die für afrikanische Verhältnisse völlig überteuerten Mieten und treiben damit die Preise hoch. Negative Nebeneffekte von Entwicklungshilfe, prinzipiell eine ähnliche, aberwitzige Situation auf dem Immobilienmarkt wie in München: Es wird halt soviel verlangt, wie der Markt hergibt.

Theresa:
Das „femininste“ aller Kleider

Für mich ist und bleibt das Dirndl ein Kleidungsstück mit besonderem Charme, für Frauen jeden Alters und zu allerlei Gelegenheiten. Das Dirndl ist keine historische Tracht, sondern eher ein besonderes Freizeitkleid. Noch nie war das Kleid so facettenreich und noch nie gab es so viele Anlässe, es zu tragen.Deshalb möchte ich hier in Uganda mit der Farben- und Mustervielfalt der Stoffe Dirndl nähen lassen. Unsere Vermieterin Viktoria ist begeistert, als ich ihr meine zwei mitgebrachten Dirndl zeige und meine Idee erzähle. Sie möchte mir gerne eine Schneiderin sagen, die das kann und nimmt gleich ein Dirndl mit. Dann gehen wir in einen Stoffladen auf der Mainstreet Stoffe aussuchen. Zwei gefallen mir besonders gut. Jetzt holen wir meine Schneiderin von der gegenüberliegenden Straßenseite dazu. Sie sagt mir den Verbrauch für die Schürze und das Innenfutter für das Mieder, den Kleidstoff gibt es in kleinen 6m-Ballen. In drei Tagen ist mein erstes Afrikadirndl fertig. Ich bin sehr gespannt und freue mich sehr drauf.

 

Die Magie der afrikanischen Trommel

Die Trommel in ihrer Ursprünglichkeit übt eine gewaltige Faszination auf mich aus. Ich schlendere des Wegs und plötzlich höre ich sie entfernt. Die Luft füllt sich mit Schwingungen, anregenden und heilsamen Tönen und lassen Ausgewogenheit und Harmonie finden. Ich komme näher und es klingt laut und lebenssprühend, macht Spaß und gute Laune und dann tanze ich mit, denn „wenn Du sprechen kannst, kannst du singen, wenn du gehen kannst, kannst du tanzen.“ (Afrikanisches Sprichwort), das Mamadou Fall uns gesagt hat, mit dem ich in München einige Jahre getanzt habe.

 

 

Moringa – Wunderbaum

Vor unserem Haus steht ein Baum und wir erfahren, die Pflanze Moringa oleifera ist ein Baum, dessen Wurzeln über 5.000 Jahre in der Menschheitsgeschichte zurückreichen und der bis heute in vielen Kulturen eingesetzt wir. Nahezu alle Bestandteile des Baumes können verwertet werden: Blätter, Samen, Wurzeln, Schoten und Blüten. Der Moringa- oder Meerrettichbaum stammt ursprünglich aus der Himalaya-Region Nordwestindiens. Der Name Meerrettichbaum leitet sich vom Gehalt an Senfölglykosiden ab, die dazu führen, dass seine Wurzeln ähnlich wie Meerettich riechen und die Blätter einen scharfwürzigen Beigeschmack haben. So kam es, dass englische Kolonialherren die essbaren Wurzeln lange Zeit als Meerrettichersatz verwendeten. Moringa zählt in vielen Ländern nicht nur zu einer wichtigen Nahrungsquelle, sondern wird auch zu medizinischen Zwecken genutzt. Laut indischem Volksglauben kann der Moringa-Baum mehr als 300 Krankheiten heilen. Da er als besonders dürreresistent gilt und selbst unter widrigsten Bodenbedingungen wächst, wird er auch „Baum der Unsterblichkeit“ genannt. Wir freuen uns jeden Tag über diesen außergewöhnlichen Baum vor unserem Haus, den auch viele Vögel besuchen.

 

 

7 Gedanken zu „Eingelebt, unsere erste Woche in Jinja

  • 23. September 2017 um 16:39
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    Was ich Euch noch sagen wollte: Lamine hat eure Bilder angeschaut und bestätigt, dass es in Guinea auch Jack Fruit gibt.
    Und übrigens, ich finde die Idee mit den Dirndl aus afrikanischem Stoff suuuuper. Ich bestelle schon mal eines 🙂
    Die Fotos sind sooo schön, ich neide!! Alles Liebe, Susie

    Antwort
  • 23. September 2017 um 06:32
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    Hallo Ihr beiden, es ist spannend Eure Beiträge zu lesen und ich freue mich sehr, dass Ihr gut „angekommen“ seid und es Euch gut geht. Es ist Wiesn in München und wie jedes Jahr trage ich natürlich auch mein allererstes Dirndl und denke ganz viel an Dich Theresa, umarme Dich <3

    Antwort
  • 22. September 2017 um 06:42
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    Hab ich vorhin vergessen: Zwar hätte ich es nicht anders erwartet, dennoch bin ich begeistert, wie erfinderisch du, Ulf, bist, wenn es darum geht, einen Bierkisten-Transport zu organisieren. Könnte ein gelernter Logistiker nicht besser!

    Antwort
    • 22. September 2017 um 09:13
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      Vorsprung durch Technik… 😉

      Antwort
  • 22. September 2017 um 04:13
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    Guten Morgen, ihr beiden,
    schon wieder so ein wundervoller Bericht mit beeindruckenden Bildern! Ein Haustier müsst ihr mir aber nicht mitbringen, ich nehme einfach eins von Theresas gemalten Bildern.
    Liebe Grüße, Silvia

    Antwort
  • 21. September 2017 um 14:52
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    Hallo Theresa,
    das finde ich ja klasse das du unter die Dirndldesigner gegangen bist.
    Das ist ja spannend.
    Freue mich über deine tolle Idee.
    LG

    Antwort
  • 20. September 2017 um 19:25
    Permalink

    Hallo Theresa,
    schau mal auf die Website http://www.nohnee.com
    Da gibt’s afrikanische Dirndl in München. Und du sorgst jetzt für Münchner Dirndl in Afrika. Bin begeistert.
    Viel Erfolg, Energie und Spaß dabei

    Antwort

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