Halbzeit

Nun sind wir schon drei Monate in Uganda. Wie erleben wir das Leben hier, können wir uns vorstellen, hier zu wohnen?

Meine Worte waren ja immer, dass das Leben in Afrika intensiver ist. Die letzten Jahre in Deutschland/München waren für mich ja nicht so prickelnd und ich hatte mich auf die neue Herausforderung gefreut. Meine Afrika-Erfahrungen sind allerdings schon älter und daher eher theoretischer Natur. Jetzt sind wir wieder angekommen…
Aus der Vollkasko-Mentalität in Deutschland kommend erleben wir hier Dritte Welt pur. Uganda ist wunderschön, wild, faszinierend aber auch komplett korrupt und unehrlich. Wir zahlen gerade unser Lehrgeld, angefangen bei der dubiosen Vermieterin, der wir die Miete 6 Monate im Voraus gezahlt haben, weil unser cottage so perfekt schien. Inzwischen wissen wir, dass schon sehr viele der ansässigen „Muzungus“ (weisse Expats) hier gewohnt haben und ihre Erfahrungen gemacht haben.

Am 1. Dezember wurde nachts in unser Haus eingebrochen, während wir schliefen. Die Diebe haben die Gitterstäbe am Küchenfenster aufgebogen, bis ein Kind durchpasste und sich dann all unsere Wertsachen rausreichen lassen: Computer, Handies, Schmuck, Kameras etc. Die Polizei kam zwar mit Spürhund, hat Fingerabdrücke genommen und ois, aber dann die Arbeit eingestellt. Ich habe dann eine fette Belohnung angeboten im Dorf und hatte auch schnell Informationen über potenzielle Mittäter. Die Polizisten (da bekommt das Wort „freundlicher Helfer“ eine ganz neue Deutung) haben aber jegliche Ermittlungsarbeit verweigert, bis nach 9 Tagen eine Hausdurchsuchung bei unserer Maid stattfand. Ich musste auch noch den Fahrer spielen, die Durchsuchung war eine einzige farce. Mit Sicherheit ein „inside job“, sagen uns hier alle.

Wir waren und sind beide immer noch etwas mitgenommen von dem Einbruch und den Folgen. Und wir hinterfragen uns natürlich im Hinblick auf unsere Haltung hier. Ja, wir haben immer die einheimischen Händler unterstützt und lieber in schmuddeligen Wellblechhütten eingekauft, als bei den indischen Supermärkten. Ja, wir haben der alten Frau aus dem Dorf Geld gegeben für die Medizin für ihre Tochter. Ja, wir haben der Maid immer viel mehr gezahlt, als vereinbart. Und Kleider verschenkt, Süssigkeiten für die Kinder usw. Und dann erwarten wir Dankbarkeit und Solidarität von Menschen, die jeden Tag irgendwie klar kommen müssen? Blauäugig und naiv haben wir unseren Reichtum zur Schau gestellt. Und es war nur eine Frage der Zeit, bis das passiert.

Und dann die Abzockerei von Autoschraubern, Handyvertickern, Taxifahrern undundund… Ach ja, von den ganzen Krankheiten und gefährlichen Viechern ganz zu schweigen.

Warum in der Welt kommt man also nicht zurück und fährt nächstes Jahr im Urlaub nach Malle oder St. Peter Ording? Die Antwort für mich lautet: „its the price you pay“.  Wir wollten mehr Selbstverantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten. Wir wollten abends (wie jetzt gerade, am 21. Dezember um 21h00) bei 25° in Shorts draussen sitzen unterm unglaublichen afrikanischen Sternenhimmel. Wir wollten eine Geschäftsidee verwirklichen. Wir wollten in die Nationalparks fahren und auf Safari gehen, die Marabus, Seeadler und Eisvögel über dem majestätischen Nil bewundern. Wir wollten uns nicht mehr darüber aufregen, dass man in Neuhausen nicht mit einem Reifen auf dem Bordstein parken darf. Oder, dass Kinder nicht zwischen zwölf und drei spielen und lachen dürfen. Pfandflaschen aus dem Glascontainer angeln? Wenn das jeder machen würde?!

Das alles werden wir uns nicht kaputtmachen lassen, WIR hatten die falsche Grundeinstellung. Um hier zu (über-)leben, muss man ständig auf der Hut sein und sich schützen. Die vielen anderen expats schaffen das ja auch, also wird nicht gekniffen. Das hier ist eher was für Häuptlinge, nicht für Indianer (ohne anmaßend sein zu wollen), man muss hier seinen Mann stehen und sich mit den Lebensbedingungen arrangieren. Dann bekommt man den Preis…

Mein Freund David sagte: „You might fall in love with Uganda, but Uganda doesn´t necessarily love you“

Zum richtigen Zeitpunkt nach dem Einbruch hat uns Knuts Besuch letzte Woche wieder aufgeheitert.

Wir hatten eine phantastische Woche, haben uns super verstanden, viel gelacht, gegessen, getrunken und gegolft. Ein Riesendankeschön auch an Nicole, beide haben uns mit neuem Computer, neuer Kamera und vielen nützlichen und leckeren Sachen versorgt. Am Samstag war ein charity-Golfturnier (Photos) hier im Jinja Club, an dem Knut und ich mit wechselndem Erfolg teilgenommen haben, aber wir hatten einen super Tag und saßen bis abends im Clubhaus.

 

 

 

 

 

 

Inzwischen haben wir auch neue Telefone, Theresa ist jetzt auch im Smartphone Zeitalter angekommen, inkl. WhatsApp! Meine deutsche Simkarte ist noch gesperrt, daher ist auch mein altes WhatsApp Profil tot. Unsere neuen Nummern gibts gerne per eMail, wenn jemand möchte.

Heiligabend ist Live Mucke in der Cozy Bar, am 25. spielen wir morgens Golf, mit Grillen im Club hinterher. Keine schlechte Alternative, aber das Zusammensein mit unseren Familien an Weihnachten vermissen wir schon sehr!

Wir wünschen Euch allen ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest!

Theresa und Ulf

2 Gedanken zu „Halbzeit

  • 25. Dezember 2017 um 10:50
    Permalink

    Hallo ihr Beiden,
    jetzt habt ihr in eurem Paradies beide Seiten kennengelernt , wo Licht ist da ist eben auch Schatten und ich pflichte Ulf bei …. man kann nicht automatisch Dankbarkeit erwarten und vor allem nicht von sich auf andere schließen, aber mutig seid ihr schon!
    Ich wünsche euch auch schöne Weihnachten und alles Gute!
    Bei mir geht es auch endlich los am 29.12., übrigens kommt mein Sohn am 10.1. , er wollte unbedingt bei meiner Hochzeit dabei sein ?
    Ganz liebe Grüße
    Petra

    Antwort
  • 24. Dezember 2017 um 11:03
    Permalink

    Auch ich wünsche euch ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest. LG Nadia

    Antwort

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