Fazit

Fazit Theresa:

Meine schönsten Erlebnisse:
Der Einzug in „unser Haus“ am See, unseren kleinen angelegten Garten (u.a. Vanille), den Haus- und wilden Tieren, die Einkäufe im Zentralmarkt, die ersten Kontakte zu Einheimischen (der „Dodo“-Pflückerin und ihrer Tochter, unserer Maid Maureen, Lydia, den Askaris), von Sonnenaufgang (fantastisch) bis Sonnenuntergang (beeindruckend) „draußen“ zu sein, das Klima, die grüne Landschaft, unsere Ausflüge / Safaris in den Mabira Forest, zum Murchison Falls Nationalpark, zur Hairy Lemon Insel, Silvester am Nil, in den Kidepo Valley National Park. In den Wochen des Ankommens, Umschauens, Eingewöhnens fühlte ich mich auch keineswegs einsam oder zum Nichtstun verurteilt. Ich ging die wunderschöne Gegend am Victoriasee und Nil erkunden, saß im Garten, blickte in die Weite über den See, oder hoch in den Himmel, wo Vögel und Wolken vorüberzogen, las spannende Geschichten, machte ein kleines Mittagsnickerchen, malte. Es faszinierte und begeisterte mich die Entdeckung und Faszination der Farbenpracht und Muster von Stoffen und die Umsetzung in Kombinationen in Kleidern. Sportlich habe ich an München angeknüpft: ich kaufte mir ein Fahrrad. Aber das wichtigste ist, dass wir gesund geblieben sind.

Meine Erfahrungen
Mein Englisch hat sich ein wenig verbessert, ich dachte aber, dass es doch schneller geht, wenn ich in dem Land lebe. Aber wie auch immer, in einer fremden Sprache Wegbeschreibungen, Bestellungen, Einkäufe und Dienstleistungen zu regeln, etwas zu erreichen oder sich auszudrücken, macht stolz und manchmal auch Spaß. Abläufe und Alltagstempo sind deutlich langsamer. Oft wird Geduld und Toleranz bis an das Maximum gefordert. Offenheit, Vertrauen, Gutgläubigkeit, Blauäugigkeit werden erschüttert.“Du kannst Afrika nicht verändern, aber Afrika verändert dich“. Ein Muzungu zu sein (mit einer weißen Haut) definiert dich als reich, oder so von Einheimischen gesagt: „Für uns wissen wir, dass sie reich sind.“ Lassen wir es so stehen: Wenn er sagt, dass er weiß, dass ich reich bin, könnte er auch meinen, dass er glaubt, dass ich reich bin. Dann ist Uganda nicht so billig, wie du denkst. Arbeit (Dienstleistung) ist billig, aber Dinge wie Miete, Versorgungsunternehmen, Elektronik und importierte Waren sind teuer.

Ob das Leben im Ausland als Chance oder als Risiko zu betrachten ist?
Bestimmt ist es eine wunderbare Vorstellung, wenn man sich das Leben im Ausland so ausmalt: blauer Himmel, Sonnenschein, nur freundliche Menschen um einen herum, alles ist gefahrlos, den ganzen Tag zur freien Verfügung, Hausmädchen, die Kreditkarten parat, ausgedehnt frühstücken, relaxen. In den Augen der Daheimgebliebenen scheint so ein Expat-Leben der wahre Luxus zu sein. Aber es könnte auch ein isoliertes und eingezäuntes Leben sein, mit wenigen Kontakten, Verständigungsschwierigkeiten, Orientierungsschwierigkeiten, Unwohlsein, Krankheit, kriminelle Verbrechen, erschöpft von der neuen Kultur, gelangweilt, genervt. Irgendwo in der Mitte liegt die Wahrheit. Aber es ist die Möglichkeit und die Zeit sich etwas Eigenes aufzubauen, eine Leidenschaft zu verfolgen und vielleicht einem Angestelltenverhältnis den Rücken zu kehren. Ein Auslandsaufenthalt kann reifer machen, das heißt verträglicher, gewissenhafter und emotional stabiler.

Fazit Ulf:

Schon vorbei??

Und ruckzuck ist so ein halbes Jahr rum. Unser Dank gilt unseren Familien, der Deutschen Rentenversicherung, meinem Arbeitgeber und dem Immobilienhype in München. Ihr alle habt uns unseren Traum ermöglicht, sechs Monate in Afrika verbringen zu können!

Wir wollten herausfinden, ob wir uns vorstellen können, länger hier in Uganda zu wohnen. Ein paar Wochen Urlaub ist eine völlig andere Geschichte, als hier wirklich zu leben. Und unser Resümee lautet: wir wissen es nicht. Uganda ist wunderschön, mit dem Victoriasee und der Nilquelle hier in Jinja, hat ein fantastisches Klima, alles ist etwas entschleunigt, lächelnde Menschen überall, tolle Nationalparks… Paradiesisch? Uganda ist auch: komplett korrupt und kriminell, unter der freundlichen Oberfläche nicht gerade fremdenfreundlich, nicht ungefährlich und super unzuverlässig. Die Aufarbeitung des Einbruchs in unser Häuschen hat für uns Europäer ungeahnte Dimensionen angenommen, mit Polizisten, die vorab für ihre Ermittlungen bezahlt/geschmiert werden wollten, um dann trotzdem jegliche Arbeit zu verweigern. Vielversprechende Spuren, die unsere „Spione“ entdeckt hatten, wurden plötzlich nicht mehr verfolgt, weil offensichtlich jemand die Ermittlungen behindert, bzw. gestoppt hatte. Wir haben gelernt, dass man hier keinem Einheimischen vertrauen sollte. Und dass man zwingend über gute Kontakte verfügen muss, um hier klarzukommen.

Weitere aktuelle Beispiele: Uganda stand bis vor kurzem weltweit als Musterland da, weil es so viele Flüchtlinge aus Südsudan und aus dem Kongo aufnimmt. Nun hat das UNHCR mal freundlich nachgefragt, wo genau die Milliarden denn so verblieben sind, die Uganda für die Bewältigung dieser Flüchtlingskrise erhalten hat. Die sind, nun ja, weg. Oder: Letzte Woche wollten hier zwei Südkoreaner (wohl legal) Gold kaufen. Beim geplanten Treffen mit dem Händler wurden sie dann von bewaffneten Polizisten einkassiert, die ihnen die Kohle abgenommen haben, davon Flugtickets kauften und die Koreaner nach Hause schicken wollten. Irgendwas ist da zum Glück schief gegangen, auch der zweite Flug mit einer anderen Airline klappte nicht und die Aktion wurde gestoppt. Die besagten Polizisten sitzen nun selbst im Bau. Wenn man als Weisser hier in einen Verkehrsunfall verwickelt ist, lautet die erste Regel: nichts wie weg! Sollte jemand verletzt worden sein, bringt man die Person möglichst persönlich ins Krankenhaus (am besten zu einem weissen Arzt…), lässt sie verarzten und sich schriftlich bestätigen, dass das alles nicht so schlimm sei. Andernfalls steht nach zwei Tagen ein Anwalt auf der Matte und verlangt Millionensummen als Schmerzensgeld/Invalidenrente etc.

40 Millionen Ugander sind alle schlechte Menschen? Jede Person, die man hier kennenlernt, ist kriminell? Da schreit unsere weltoffene und tolerante Grundhaltung: Aua! Jeder Psychiater schaut ja erstmal nach Kindheitstraumata bei der Anamnese, wir haben uns auch endlose Gedanken gemacht, warum das hier in Uganda so extrem ist. Auch wollen wir unsere positive charakterliche Einstellung gegenüber Menschen im Allgemeinen nicht über den Haufen werfen. Über die letzten paar Generationen hat sich offensichtlich hier eine Grundhaltung entwickelt, nach der man nimmt, was man jetzt kriegen kann und nicht an Morgen denkt. Vom Kolonialismus über die Schreckensherrschaft Idi Amins, die LRA im Norden, Rebellen aus dem Kongo im Westen, korrupte und ausbeuterische Arbeitgeber aus Indien, nun auch noch chinesische Bauunternehmen mit fragwürdigen Arbeitsmodellen. Politiker, deren Stimmen zur Verfassungsänderung öffentlich gekauft werden. Jeder hier scheint sich die Taschen vollzustecken, ein Abteilungsleiter einer staatlichen Baugesellschaft hat z.B. vom Auftragnehmer ganz offen Schmiergeld verlangt, da er seinen Chef auch schmieren musste, um diesen Job überhaupt zu bekommen, und er nun an Refinanzierung denken müsse.

Und dann gibt es vielleicht noch so eine Art RobinHoodKarlMarx-Syndrom, nach dem man den Reichen ruhig was abzwacken kann. Und jeder ist reicher als die einfachen Menschen hier, die vielerorts in Wellblechhütten hausen. Wir waren naiv und gutgläubig, jeder konnte unseren „Reichtum“ sehen, die Computer, die Kameras, den Schmuck… Gestern Abend haben wir über die Formulierung diskutiert, dass man überall einen „Preis“ zahlen muss. Für mich persönlich ist das Leben in Deutschland z.B. nicht unbedingt reizvoll, mit Regulierungen und Verboten überall, das wäre dann der „Preis“ für mich. Etwas abenteuerlicher und selbstverantwortlicher darf es schon sein, auch wenn es dadurch riskanter wird. Es ist ganz schwierig, hier eine Grenze zu ziehen, wo die Akzeptabilität aufhört, und es ist eine sehr individuelle Positionierung. Wir werden zurück in Deutschland nach ein paar Wochen Aklimatisierung und mit etwas Abstand das Thema immer weiter diskutieren.

JINJA-JACK

Um es kurz zu fassen: die Jackfrucht-Geschäftsidee haben wir verworfen. Sehr blauäugig wollten wir mal eben so ein Lebensmittel herstellen und auf dem EU-Markt vertreiben. Vom Acker, auf dem der Baum steht, über den Transport, die Verarbeitung, Lagerung bis zum Vertrieb können wir keinen einzigen der Prozessschritte selbst abdecken. Dazu noch Im- und Exportthemen, Qualitätssicherung/Produktionshygiene, Haltbarkeit undsoweiter… Ich hatte schon Albträume, in denen eine Schulkantine verdorbene Jackfrüchte an die Kinder ausgegeben hat. Das ganze wurde uns zu komplex und zu riskant.

Unsere Models Babi und Rachel

Streiche Jackfrucht, setze Dirndl… Die werden nicht schlecht, unsere ersten 6 Modelle sehen klasse aus und wir fühlen uns beide viel wohler mit unserem ursprünglichen Plan „B“. Wir haben inzwischen hier alles aufgebaut: Stofflieferanten, Nähereien und Versand.

Beim Fotoshooting

Die ersten Maßanfertigungen aus unserer Stoffauswahl können wir von Deutschland aus von unserem Team hier in Uganda produzieren und versenden lassen.  Die Qualität in der Fertigung ist inzwischen gut und wir sind gewappnet für einen Mini-Auftragsboom in der Anfangsphase! Im Textil-Grosshandel in Kampala haben wir eine tolle Zusammenstellung an Stoffen mit fantastischen Mustern und Farben erstanden und sind vorbereitet für Aufträge zu Maßanfertigungen.  Außerdem haben wir noch zwei Textilfabriken am Start für größere Chargen, dann ggf. auch mit Standardmodellen zusätzlich zu den maßgeschneiderten Unikaten. Neben den Dirndln können wir später noch weitere Produkte anbieten, wir haben z.B. eine Lederfabrik als Partner gewinnen können. Aber step-by-step…

Hier sind die Photos!

Und dann möchten wir uns gaaaanz herzlich bei Euch allen bedanken fürs Miterleben, Kommentieren, Mitfreuen und Mitleiden! Jeder einzelne Kommentar hat uns immer sehr gefreut und uns das Gefühl gegeben, dass Ihr alle auch ein bisschen mit dabei seid! Danke an Euch alle dafür und bis bald in good old Germany!

 

2 Gedanken zu „Fazit

  • 26. Februar 2018 um 10:24
    Permalink

    Danke auch an Euch das ich ein bisschen dabei sein durfte. Das hat ein wenig Farbe in das winterliche Alltagsleben gebracht.
    Genießt noch die letzten Tage in der Wärme. Heute hat es minus 10 Grad.
    Die Dirndl sind sehr schön. Mein Favorit ist das blau-gelb-rosa farbige Dirndl. Das sieht richtig klasse aus.
    Wünsche Euch viel Glück und Erfolg bei der Umsetzung des Plan „B“
    Kommt gut nach Hause. Bis bald

    Antwort
  • 25. Februar 2018 um 10:15
    Permalink

    Tolle Idee aus diesen wunderschönen Stoffen Dirndl anfertigen lassen. Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen!

    Antwort

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