Kidepo Valley Nationalpark

Am Sonntag, den 28. Januar brechen wir endlich auf, die lang ersehnte Safari in den Kidepo Valley National Park ! Die Reise hatten wir ja ursprünglich schon für Dezember geplant, nach dem blöden Einbruch hatte sich das alles verzögert, und wir wollten auch nicht zur Hauptzeit während der Feiertage fahren, wenn hier womöglich alles voll ist. Außerdem hatten wir alle Hände voll zu tun mit unserer neuen Geschäftsidee! In Kürze mehr dazu hier im Blog, stay tuned…

Der Park ist der abgelegenste in Uganda, an den Grenzen zum Südsudan und Kenia gelegen. Der Nordteil ist auch nur eingeschränkt erreichbar, wegen der Unruhen im Südsudan und einer nicht wirklich existierenden Grenze darf man dort nur in Begleitung von Rangern der Uganda Wildlife Authority hin. Die Anreise ist sehr beschwerlich, besonders die letzten 150km ab Kitgum sind eine holprige Staubpiste, die unserem tapferen Pajero das letzte abverlangte. Aber es lohnt sich! Von CNN zum drittbesten Park in Afrika gewählt  gibt es hier Flusstäler, Savannen, Gebirge und dichten Busch. Die große Artenvielfalt, die man außerhalb der Regenzeit bewundern kann, machen Kidepo zu einem tollen Reiseziel!

Den ursprünglichen Plan, von Jinja aus in nur einem Tag anzureisen, haben wir verworfen. Warum sollen wir uns quälen, wenn wir doch genug Zeit haben? So fuhren wir am Sonntag Mittag entspannt los, über Kampala Richtung Gulu. Natürlich hat uns das Verkehrschaos rund um Kampala wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bis Kampala kamen wir flott voran, aber dann… Die ersten 120km in 4 Stunden!?! Das erste Etappenziel Gulu noch bei Tageslicht zu erreichen schien unmöglich, und nachts mag ich hier nicht fahren, wenn es nicht unbedingt sein muss. Die erste Polizeikontrolle war noch harmlos, 30.000 Schilling für ein kaputtes Bremslicht. „Watch out, It´s school-fee time!“ hatten uns unsere Freunde noch gewarnt. Auch die vielen Polizisten haben Kinder und müssen die Kohle für die Schulgebühren irgendwie refinanzieren. Wir hatten ordentlich Kette gegeben und Kilometer geschruppt, bis an einem Ortseingang die freundlichen Helfer wieder in ihren blütenweissen Uniformen standen. Da man die schon von weitem sieht, sind wir am Ortseingang schön brav auf 50 km/h runter, wurden aber trotzdem rausgewunken. Der Schupo winkte mich zu sich, um mir seine schicke Videokamera zu zeigen. „That´s you!“ stellte er auf dem Display eindeutig fest und ich konnte nicht wirklich widersprechen. „You were speeding!“ 119km/h zeigte das Teil an, nun weiss ich, dass der Tacho unseres Pajero genau geht. Aber hier gilt doch 120, und am Ortseingang bin ich 50 gefahren?! Auf dem highway gelte 100km/h, behauptete er. Aber ich dachte immer, dass hier 120 gilt und bin ganz brav nie schneller gefahren! „What´s the speed limit in your country?“ fragte er schulmeisterlich. „No speed limit.“ „WHAT??? You can drive as fast as you like?“ fragte er völlig fasziniert. Nach einigen Erklärungen über deutsche Autobahnen, schnelle Autos usw. gab es zum Glück tatsächlich nur eine Warnung, mich zukünftig an die ugandischen Vorschriften zu halten.

Kurz vor Sonnenuntergang haben wir ein kleines Hotel entdeckt, eingecheckt und ein kaltes Bier geordert. Dinner gab´s auch noch und am nächsten Morgen hat die Schnellüberprüfung des Autos kaum noch vorhandenes Motoröl ergeben. Also zu Fuss los und glücklicherweise in dem kleinen Kaff einen entsprechenden Laden entdeckt. Mit frischem Öl und neuem Bremslicht kamen wir dann richtig flott voran, über Gulu bis Kitgum. An der letzten Tanke vor Kidepo nochmal vollgetankt und auf die letzten 150km Buckelpiste.

Wir wurden ordentlich durchgeschüttelt und der Pajero ächzte und klapperte aus allen Poren. Nach gut 7 Stunden kamen wir endlich im Apoka Rest Camp an, hier hatten wir hatten eine kleine Rundhütte („Banda“) reserviert.   Die Bandas sind sehr einfach, kosten mit privatem Bad aber auch nur 70.000 Schilling (ca. 15€)! Nebenan in der luxuriösen Safari Lodge kostet die Übernachtung 500€… Das Camp ist mitten im Park, ohne Zaun und wird permanent von allen möglich Tieren aufgesucht. Hier vor dem Restaurant ist ein kleines Wasserloch, während ich diese Zeilen schreibe sind 20m von mir entfernt Büffel, Waterbuck, Schakale und Warzenschweine. Gleich kommt wieder die Zebraherde wie jeden Nachmittag, da hinten in ca. 200m Entfernung sehe ich Elefanten! Das ist Afrika pur hier! Wir sind völlig begeistert. Abends sitzen wir mit anderen Touristen aus Holland und Belgien bei kaltem Bier am Lagerfeuer und tauschen Reiseerlebnisse aus.

Apoka Rest Camp

Ganz früh morgens gleich nach Sonnenaufgang und am späten Nachmittag geht´s auf game drive, jetzt in der Trockenzeit kann man viele Tiere sehen: sehr große Büffelherden, viele Elefanten, die hier tatsächlich viel nervöser sind als in anderen Parks. 

Wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen und vieler Wilderer im Südsudan mögen die Elefanten hier keine Nähe zu Menschen. Gleich die erste Herde, die wir sahen, machte uns mit einer kleinen Scheinattacke eindeutig klar, dass wir ihnen etwas zu nah gekommen waren. Jedes wilde Tier hat eine „comfort zone“, die individuell sehr unterschiedlich ausfallen kann. Ich versuche immer, den Tieren nicht zu nahe zu kommen, um sie nicht zu stressen. Die comfort zone der Elefanten hier ist jedenfalls deutlich größer als in anderen Parks. Am nächsten Morgen haben wir uns mit Sophie und Patrick zusammengetan, und sind in ihrem Bus mit aufklappbarem Hochdach zum game-drive aufgebrochen. Wir haben uns einen Führer engagiert, der uns mit spannenden Informationen versorgte.

Löwenpärchen beim Honeymoon

Die Samtpfoten haben ihre Krallen in unsere Herzen geschlagen. Weiches Fell, geschmeidiger Körper, grazile Bewegungen und immer auf der Hut. Unser guide Daniel möchte uns Löwen zeigen. Wir fahren im Park und sind immer wieder fasziniert von den unendlich weiten Ebenen der Savanne, dem gelben Gras, den grünen Büschen, den alten Bäumen, den roten Termitenhügeln. Jetzt kommen wir an den Löwenfelsen vorbei.

Als sozialste aller Katzenarten leben Löwen in Rudeln aus verwandten Weibchen mit ihren Nachkommen. Auch gejagt wird im Rudel, dabei schleichen sie sich langsam an die Beute heran, da sie keine ausdauernden Sprinter sind. Zwischendurch halten sie still und nutzen jede Form der Deckung, bevor sie schließlich in einem kraftvollen Sprint losschlagen. Wenn die männlichen Nachkommen die Geschlechtsreife erreicht haben, verlassen sie ihr Rudel, um ein neues zu erobern. Bei der Paarung beißen männliche Löwen den Weibchen in den Nacken; diese halten dann still. Die beiden paaren sich bis zu 40 Mal pro Tag über einen Zeitraum von etwa fünf Tagen. Löwenkinder haben dunkle Flecken auf ihrem Fell; so sind sie in der Savanne besser getarnt.

Jetzt schaut Daniel durch sein Fernglas und nickt. Schnell fahren wir hinunter ins Tal, halten an und erblicken sie – ein Löwenpärchen auf einem Termitenhügel. Wir sind begeistert und können uns nicht satt sehen.

Nach drei Nächten wollten wir auf dem Heimweg die kürzere Route via Lira und Mbale nehmen. 20 km vor Lira gab unser Pajero dann auf.  Erst allein, dann zusammen mit einem Schrauber, den ein freundlicher Boda-Boda Fahrer organisiert hatte, wurden beide Benzinpumpen überprüft/zerlegt, Zündkerzen und alles mögliche, aber dem Pajero war kein Leben einzuhauchen. Auf der Staubpiste donnerten neben uns die 40-Tonner vorbei, bald sollte es dunkel werden und wir mussten auf jeden Fall weg von der Strasse. Ein vorbeifahrender Toyota Hilux, dessen Fahrer der Mechaniker kannte, schleppte uns dann mit einem selbstgedrehten, dünnen Seil bis Lira. Das Seil war nur zwei Meter lang und der Toyota hatte kein Bremslicht. Inzwischen war es stockdunkel und ich hatte ohne Motor keine Bremsunterstützung, 1,5 Stunden Höchstspannung, Theresa leuchtete den Toyota mit der Taschenlampe an, damit ich dem nicht auch noch hintendrauf krache. Und unsere Batterie wurde immer schwächer, das allerletzte Lebenszeichen des Warnblinkers kam, als wir auf den Hof der Autowerkstatt fuhren.

Den ganzen Freitag waren 4 Mechaniker zugange, ich immer daneben… Währenddessen hat Theresa einen Stadtbummel durch Lira unternommen, der drittgrößten Stadt Ugandas. Nachdem die ganze Elektrik zerlegt und überprüft worden war, die Einspritzdüsen ausgebaut und gereinigt, kam dann ein weiterer Schrauber dazu, der auf das Steuergerät für die Einspritzung und Drosselklappe zeigte. „That one“, grummelte er nur und fuhr 10 Minuten mit dem Boda-Boda weg, um mit einem identischen Steuergerät zurückzukommen. Eingestöpselt, angeworfen, läuft! Auf dem Heimweg am nächsten Tag lief es dann doch noch nicht so richtig, der Drosselklappensensor muss noch feinjustiert werden, wir hatten keinen vierten Gang mehr. Also im dritten mit max. 80km/h nach Hause getuckert, nach 7 Stunden war der Ritt erledigt und wir waren wieder in unserem „Haus am See“.

Hier geht´s zum Kidepo Fotoalbum!

2 Gedanken zu „Kidepo Valley Nationalpark

  • 7. Februar 2018 um 14:58
    Permalink

    Das war ja ein tolles Erlebnis! Viele liebe Grüße, Susie

    Antwort
  • 6. Februar 2018 um 05:59
    Permalink

    Great photos! Love the photo albumn

    Antwort

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